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Eurobike 2005

Wie in den Jahren zuvor lockte auch in diesem Sommer Europas größte Bike- Messe nach Friedrichshafen am Bodensee, um den tausenden Besuchern alle technischen Neuheiten der nächsten Saison und diverse Shows zu präsentieren. Als FKR-Außenposten war es meine Aufgabe darüber zu berichten.

Sonntag 4.9.2005 Besuchertag

Ein kostenloser Shuttlebus brachte uns früh morgens zum Messegelände in Friedrichshafen. Glücklicherweise ohne Warteschlange bekamen wir die Eintrittskarten und schlenderten erstmal durch die Messehallen. Wir verschafften uns kurz einen Überblick über das Messegelände und holten das Frühstück nach (und das bei den teuren Preisen. . . ). Auf dem Freigelände lockte der Bikeparcours mit Holztrails, einem 4x-Track und den Dirtjumps. Wäre ich nicht ohne Bike angereist hätten die Holztrails und die Racestrecke mit ihren netten Jumps nach meiner gesundheitlich bedingten Bike-Pause eine spaßige Fahrgelegenheit dargestellt. Naja, Zuschauen ist ja auch interessant und genau dies taten wir dann erstmal während des 4x-Training. Kurz darauf gingen wir auf Poster- und Aufkleber-Jagd. Auch sonst nahmen wir alles mit was gratis zu bekommen war. Nebenbei warfen wir noch einen Blick auf die 2006er-Neuheiten und viele andere Sehenswürdigkeiten der Bikemesse. Doch das eigentliche Highlight war für mich der Dirtjump-Contest, welcher von Niels-Peter Jensen organisiert worden war. Er selbst und über 40 weitere internationale Dirtjumper hatten sich zur Eurobike begeben, um ihr Können zu präsentieren und sich mit den anderen Ridern zu messen. Das Resultat war eine super Show, welche ich nun hier genauer beschreiben werde:

Bei schönen Wetter fing zur Mittagszeit die Qualifikation für den eigentlichen Contest an. Die Fahrer hatten nach recht langer Trainingszeit nun jeweils zwei Runs, um die Judges von ihrem Können zu überzeugen.Das Fahrerfeld war hochkarätig, viele bekannte Größen der Szene waren dem Aufruf von NPJ gefolgt (u.a.: "Mr. Backflip" Timo Pritzel, Rotationskünstler Markus Wallborn und die beiden Crankworx-Helden Carlo Dieckmann und Joscha Forstreuther). Aber nicht nur deutsche Fahrer boten weltklasse Leistungen: Nico Duye (Giant) hielt für Frankreich die Fahne hoch und auch eine Fraktion aus der Schweiz war am Start (u.a. Daniel Feucht von Traildevils.ch). Die von Bikepark-Erbauer Diddie Schneider geshapte Line, bestehend aus zwei Doubles mit Rampen aus Holz, forderte die Rider wohl mehr heraus als die des Vorjahres: Viele hatten nach dem ersten Sprung nicht mehr genügend Geschwindigkeit, um den zweiten Doublesauber zu springen und dabei noch spektakuläre Tricks rauszuhauen. Die Quali-Runs von Vorjahressieger Markus Wallborn, der letztes Jahr noch mit gestandenen 360- und Double-Tailwhips international für Aufsehen sorgte, waren beispielhaft für diese Problematik: Nach seinen 360ern über den ersten Double fehlte ihm meistens der Speed für seine Tailwhips am zweiten Sprung. So erging es auch den meisten Fahrern während des Trainings und der anschließenden Qualifikation.Viele nutzten deshalb den ersten Jump lediglich um Schwung zu holen und zeigten ihre Tricks nur am zweiten Double. Nur wenige Fahrer schafften es über beide Sprünge ihre Tricks zu präsentieren und sie dennoch sauber zu landen. Einer davon war der Nürnberger Falko Renner, der das Publikum schon in Training und Qualifikation mit astreinen Supermen, Nohand-Suicides und X-up-Kombinationen begeisterte. Der Organisator des Contest Nutella-Mann Niels-Peter Jensen kam ebensfalls mit den Sprüngen gut zurecht und spulte seine Signature-Tricks in "Full Extension" vom Programm: Superman Seatgrabs; Onehanded Onefooter und seine gewohnt stylischen Tabletops. In den Quali-Runs kam es noch zu recht vielen Einschlägen auf die Landung des zweiten Doubles, selbst bei gestandenen Pros wie Carlo Dieckmann (Last) und Joscha "Forstrocker"(Nicolai) die zusammen seit kurzem eine Biker-WG in Berlin bewohnen. Auch aus Berlin stammt Deutschlands Vorzeige-Dirtjumper Timo Pritzel (Scott) a.k.a T-Mo, der es gar nicht nötig hatte am Training teilzunehmen und darauf in der Quali das Publikum mit Backflips, Nofoot-CanCans und seinen sehr hohen Sprüngen zum Toben brachte. So erreichte er locker das Finale, in dem er sich mit 11 ebenfalls qualifizierten Ridern messen konnte. Nachdem die Quali schon einen Vorgeschmack auf das hohe Niveau des Contest geliefert hatte, stieg bei mir die Vorfreude auf das anstehende Finale.
Das Finale:
Anscheinend hatten sich die meisten der qualifizierten Fahrer noch etwas zurückgelehnt - was die erhebliche Leistungssteigerungen im Finale vermuten ließen. Am besten konnte man diesen Anstieg der Leistungskurve bei Markus Wallborn (NPJ-Dirtbikes) beobachten: So schüttelte er in seinen Final-Runs einen 360er-X-up, einen Tailwhip und einen schönen Airwalk aus dem Handgelenk.Auf diese Weise schien er die Judges sehr überzeugt zu haben, denn am Ende reichte es für ihn zum Sieg. Doch auch die dahinter platzierten Rider hatten noch einige Tricks in Petto. T-mo zeigte in seinem Run am ersten Sprung einen Backflip Tabletop mit einem darauffolgendem 360er über den zweiten Double. Seinen zweiten Run würzte er noch mit einem super stylischen Onefoot Tabletop und sicherte sich somit den zweiten Platz. Den letzten Podiumsplatz erkämpfte sich völlig verdient der zuvor genannte Falko Renner, auch wenn sein Tailwhip-Versuch am Schluss nicht ganz gelang und er stürzte. Auf Platz vier wurde der Crankworx-Legionär und Dirtjump-Pro Joscha Forstreuther (Nicolai) gewertet. Er hat sein Trickreportaire für dieses Jahr deutlich aufgestockt und präsentierte schön durchgestreckte Superman Seatgrabs und schnell rotierte Backflips, wobei er diese nicht immer sauber landen konnte und einmal seine Familienplanung Bekannschaft mit dem Hinterrad machen musste, autsch.... Als letzter Top-5 Riege müsste UMF-Teamrider Taulan Dernbach eigentlich zufrieden mit seiner Leistung sein, denn er war erst spät zum Fahrerfeld hinzugestoßen und hatte somit nur wenige Trainingsläufe. Im Finale schmückte er seine Runs unter anderem mit schönen 360er-Kombinationen (360er Tabletop, 360er X-Up). Nicht variantenreiche aber dafür sehr stylische Runs zeigte der Franzose Nicolas Duye (Giant), die meiner Meinung nach auch deutlich höher hätten bewertet werden können - schließlich kann nicht jeder einen Run mit Backflip mit anschließendem 360er vorweisen.
Bei anderen Fahrern hingegen verhinderten diverse Abstürze eine höhere Bewertung. Wenn es einen Worst-Crash-Award geben würde, M. Baumann wäre Favorit für diese Auszeichnung: Ein Raunen ging durch das Publikum, als er bei einem Backflip-Versuch abstürzte und mit dem Kopf zuerst auf den Landehügel knallte (Sturz verlief anscheinend glimpflich, der gefallene verliess mit schmerzverzerrten Gesicht die Spur). Zuvor hatte besagter sein Können mit schönen 360er Tabletops und Barspins unter Beweis gestellt. Auch nicht von schlechten Eltern war der Crash von Carlo Dieckmann (Last) bei einem nicht ganz gelungenem NoFoot-Cancan, trotzdem hinterließ er mit seinen smoothen Fahrstil, den stylischen Whips und einem NacNac einen guten Eindruck. Viele Abgänge musste diesesmal der Darmstädter Martin Winter (Brave-Speedstuff) in Kauf nehmen, seine 360er Barspins und Tailwhips klappten während des Contests eher selten. Dafür überzeugte er mit schicken Superman Seatgrab Indian Airs und einem 360er. Ebenso erwähnenswert sind die Leistungen der beiden Jungtalente Hendrik Tafel (Last) und Till Overwien (NPJ-Dirtbikes). Ersterer ließ mit seinen 360ern, Barspins und No-Handern erahnen was er besonders bei den technischen Street-Tricks zu bieten hat (Sieger des Moshcore Ride 'n' Destroy Contest - siehe www.bindestrich.org unter Videos). Der von allen nur "Töll" genannte 15-Jährige Düsseldorfer zeigte saubere NoFoot-Cancans und Barspins.

Resümierend kann man sagen, dass dieses Event absolut sehenswert war und hoffentlich nächstes wieder zu bestaunen sein wird - denn jährlich stattfindene IFMA Dirtjump Contest ist zumindest dieses Jahr auf Eis gelegt worden. Ich hoffe, dass in Zukunft sich Dirtjump Contests als zuschauerfreundliche und nachwuchfördernde Events etablieren werden und wir noch einiges zu sehen bekommen werden.

MFG. MarC aka Speedfire

PS.: Man sieht sich denn beim Red Bull District Ride in Nürnberg.

 


Bild 1 :Der Organisator des Dirtjump Contests NPJ mit Style im 4x-Training

Bild 2 : Giants Worldcup Downhillmaschine jetzt auch mit neuen Fahrwerksystem

Bild 3: Diamandback is back: Unter anderem mit diesem dicken Downhiller und einigen Dirtbikes

Bild 4: Santa Cruz Dirtbike mit Ducati Optik - Achtung polarisierend!

Bild 5: Santa Cruz Downhillbike mit VPP-Technologie

Bild 6: Schrill designtes Teambike von Glen Coe

Bild 7: Der aus dem Tennis- und Skibereich bekannte Sportausrüstungshersteller HEAD will den Fahrradmarkt erobern. Dieser Prototyp ist jedoch nur zum posen vorgesehen (siehe Doppelscheibe vorne)

Bild 8: Crankworx-Held Carlo Dieckmann (Last) beim 360er

Bild 9: Töll checkt sein Vorderradprofil nach Hundekot ab.

Bild 10: Unbekannter Rider mit OneFooter

Bild 11: Trotz zahlreich erschienen Zuschauern kam kaum Contest Stimmung auf.

 

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