Nachdem ich meine Abi-Klausuren hinter mich gebracht
hatte und nur noch die mündlichen Prüfungen bevorstanden,
ging es erstmal ab nach Winterberg zum ersten Stopp der The Cut Slopestyle-Serie.
Mein Bike war leider defekt und so beschränkte ich aufs Zuschauen,
Fotos knipsen und Notizen machen. Ähnlich wie bei der Homegrown-Tour
gab es diesmal sowohl eine Amateur- als auch eine Pro-Klasse. So hatten
erstmals alle Nachwuchsfahrer und Hobby-Freerider die Möglichkeit
an einem Slopestyle-Contest teilzunehmen, ohne auf einer Invitation-Liste
zu stehen. Über 80 Teilnehmer hatten sich für die Amateurklasse
angemeldet. Für die meisten ging es wohl eher weniger um gute Ergebnisse,
sondern eher ums Dabeisein und Spaß haben. Dies hat sich insofern
bemerkbar gemacht, dass viele der Amateurfahrer eher wenige Tricks zeigten
und die einfachere Line mit Drops und weiten Sprüngen den technischen
Dirtjumps bevorzugten. Der Slopestyle-Kurs war ideal für Newschool-Fahrer
mit Schwerpunkt auf schwierige Street- und Dirtmanöver. Deshalb
waren auch viele Rider auf Hardtails unterwegs, denn selbst der höchste
Drop (ca. 6 m) war damit machbar. Sonst warteten diverse Wallrides,
Kicker und eine große Funbox im Crankworx-Style darauf, von den
Fahrern gerippt zu werden. Bei eher mäßigen Wetterverhältnissen
ging es mit den Amateuren nach langem Practise endlich los - auch ein
kurzer Gewitterschauer konnte die Fahrermeute und den von Diddie Schneider
perfekt präparierten Kurs nicht erschüttern. Die Judges um
Tarek Rasouli und Joscha Forstreuter hatten angesichts der großen
Anzahl der Fahrer viel zu tun. Am Ende kürten sie den 17-jährigen
Jonas Jansen zum Gewinner der Amateurklasse: Er hatte in seine flüssigen
Runs NFCCs, Nohander und andere Spielereien eingebaut. Für den
Sieg bekam er vom Hauptsponsor Cannondale ein fettes Chase-Dirtbike
als Prämie und hatte sichtbar Freude an seinem neuen Gefährt.
Nun war es endlich soweit, die Pro-Class Fahrer waren endlich an der
Reihe und das Publikum erwartete eine deutliche Steigerung gegenüber
der bisher gezeigten Action. Schließlich waren neben nationalen
Freeride-Größen wie Carlo Dieckmann und Jan Stötzer
auch internationale Top-Fahrer am Start, allen voran die The Cut-Teammembers
Chris Hatton (Frankreich) und George Ryan von der amerikanischen Ostküste.
Auch erwähnenswert ist die Schweizer Fraktion um Sami Zbinden und
Mischa Breitenstein. Last but not least waren ja noch die Newcomer der
deutschen Freeride-Szene am Start, um das Fahrerfeld ordentlich aufzumischen.
Unter anderem die von der Homegrown-Tour bekannten Rider Amir Kabbani
und Pierre Grawitter.
Es folgen nun die Highlights der Quali- und Final-Runs:
· Rob-J zeigte einen schönen 360er in der
Dirtline, nach dessen Durchführung ihm aber der Schwung für
weitere Tricks fehlte.
· Benjamin Messinger machte seinem Spitznamen "Flip-Benni"
alle Ehre und rotierte über die Dirts - am Ende sogar über
einen der Big Doubles.
· Bergamont-Teamfahrer Mike Plümacher aus Hessen konnte
in seine Runs neben einem schönen Nohand Suicide vom großen
Drop noch fette Superman Seatgrabs und Backflips einbauen.
· Auffälligster Schweizer war Mischa Breitenstein, der vor
allem mit seinen NFCC Indian Airs vom großen Drop zu beeindrucken
wusste - und das auf dem Hardtail...
· Hamburg-Local und Last Vorzeige-Athlet Hendrik Tafel präsentierte
neben seinem neu erlernten Backflip noch saubere 360er.
· Souverän unterwegs aus seinem blauen Cannondale Prophet
MX war auch der aus dem Freeride-Movie "Counterparts" bekannten
George Ryan. Aus seinem Filmsegment eher für haarsträubende
Stürze bekannt, wirkten seine Läufe sehr sicher und smooth.
Backflips und 360er schienen ihn fast zu langweilen, so routiniert stellte
er diese zur Schau. Am Ende hätte er es noch fast geschafft, einen
Flair zu stehen.
· Der Sieger des ersten Homegrown Tour-Stopps Pierre Grawitter
verfehlte zwar eine Top-Platzierung, beeindruckte das Publikum jedoch
mit Tailwhips, einem Backflip, 360er Drops und einem beinahe gestandenen
Flair.
· Ähnlich erging es Amir Kabbani, der nach den Quali-Läufen
zum Favoritenkreis zählte und neben schönen 360er Tabletops
und Truckdrivers eine spektakuläre Trickfolge vorweisen konnte:
Beim Sprung auf die Funbox streckte er seine Arme zum stylishen Tuck
Nohand in die Höhe und kreiselte anschließend im 360er wieder
die Box hinunter. Im Finale crashte er dann sehr hart bei einem Superman
Seatgrab-Dropversuch.
· Der stämmige Franzose Chris Hatton (The Cut-Team) zeigte
als einziger im oben gelegenen Drop-Areal einen 360er von einer der
Nortshore-Leitern. Mit seinen sauberen Backflips an den Dirts mit darauffolgenden
360er Tailwhip-Versuchen reichte es am Ende für ihn zu einem guten
zweiten Platz.
· Aus dem hohen Norden Deutschlands war Basti Schlecht angereist,
der neuerdings auf einem Spank Bike unterwegs ist. Technischen Feinheiten
wie Wallrides to X-Up und Barspins ließ er noch einen fast sauber
gestandenen Backflip folgen - für Platz 3 hat es erstaunlicherweise
gereicht.
· Sieger des Contests war am Ende Durchstarter Carlo Dieckmann,
seine Runs hatten tolle Kombinationen zu bieten (Wallride -to Barspin,
-to 180 und -to 360) und er sprang von einem der ganz hohen Drops einen
Barspin. Backflips zog er dann auch noch ganz nebenbei...
Fazit: Super organisiertes Event, tolle Action und der
schusseligste Schwätzer als Moderator den ich je bei einem Bike-Event
erleben durfte...